Was geschieht zwischen einem Soldaten im Widerstandskrieg gegen Japan und einer blinden Wölfin? Was hat es auf sich mit dem rätselhaften Selbstmord eines jungen Mädchens in der Villa ihres Vaters? Was passiert mit einem Baby in Schnee und Sturm in der Inneren Mongolei? Wie geht man um mit dem Wechselspiel aus Wahrheit und Fiktion? Wie reagiert ein dementer ehemaliger Polizeidirektor auf einen versuchten Einbruch? Wie kommt es, dass ein engagierter junger Arzt mit Penicillin Morde begeht? Kann man einen Pfau trainieren, ein Rad zu schlagen? Was bringt zwei Zwillingsschwestern dazu, sich ein Leben lang zu streiten? Wie geht die Gesellschaft um mit einem Dieb, der auch Sympathieträger ist? Was sind die Folgen einer „unangemessenen Liebesbeziehung“, und gibt es Liebe, die alles überdauert?
In diesem Band preisgekrönter chinesischer Kurzgeschichten und Novellen aus 2019 namhafter, international ausgezeichneter zeitgenössischer Autorinnen und Autoren treffen Leserinnen und Leser auf spannende, aufwühlende Geschichten aus verschiedensten Lebensbereichen Chinas. Teils im Erzählton, teils in avantgardistisch moderner Sprache geht es um große Themen – Sinn und Sehnsucht, die Macht von Traditionen, gesellschaftliche Erwartungshaltungen …
Autorinnen und Autoren:
Tante Wu Fei und Tante Wu Fang, YE Zhaoyan.
Übersetzung: Agnes S. Schick-Chen
Geschmorte Stiefel, CHI Zijian.
Übersetzung: Patrice Gruber
Eisenspäne, AN Yong.
Übersetzung: Cord Eberspächer, Beidi Meng
Erloschenes Feuer, DU Lan.
Übersetzung: Cord Eberspächer, Beidi Meng
Xun Huas Flucht, ZHU Shanpo.
Übersetzung: Patrice Gruber
Lieben auf Leben und Tod, WANG Meng.
Übersetzung: Lucas Göpfert
Penicillin, YIN Xueyun.
Übersetzung: Lucas Göpfert
Vielleicht hat sich etwas ereignet, LU Min.
Übersetzung: Cord Eberspächer, Beidi Meng
Der Radiergummi, FAN Wen.
Übersetzung: Grunnar Klatt, Weiping Liu
Die Kunst des Radschlagens, TIAN Er.
Übersetzung: Grunnar Klatt, Weiping Liu
Anna –
Die Titelgeschichte von Lu min hat mich echt überrascht. Sie wirkt am Anfang wie eine typische Reportage – eine Journalistin soll über einen Vorfall berichten, aber je mehr sie recherchiert, desto mehr verschwimmt alles: Was ist wirklich passiert? Was wurde nur erzählt? Man merkt schnell, dass es nicht nur um den Fall geht, sondern auch um die Frage, wie Geschichten überhaupt entstehen – und wie leicht man sich von Emotionen oder Erwartungen leiten lässt.
Ich fand das spannend, weil man beim Lesen selbst anfängt zu zweifeln: Wem kann man glauben? Was ist echt? Und gleichzeitig merkt man, wie sehr wir alle nach Bedeutung suchen – selbst in Dingen, die vielleicht gar nicht so spektakulär sind.
Die Sprache ist klar, aber trotzdem tiefgründig. Es ist keine Geschichte, die man einfach so nebenbei liest, aber es bleibt im Kopf. Für mich war es eine Mischung aus Krimi, Medienkritik und ein bisschen Philosophie – ohne belehrend zu sein.
Wenn du mal was lesen willst, das dich zum Nachdenken bringt, ohne kompliziert zu sein, ist das eine gute Wahl.